Biotechnologie 2

Grüne Biotechnologie

Erklären Sie die beiden wichtigsten gentechnischen Verfahren in der Pflanzennzüchtung

Gentechnische Verfahren
und
Genome Editing

 
Ab 1960 hat man in Züchtung Zell- und Gewebekulturen genutzt
 
--> Man kann aus Einzelzellen oder Zellverbänden vollständige Pflanzen unter sterilen Bedingungen auf speziellen Nährmedien regenerieren
  • Verwendet man:
    • Zur Virusfreimachung von wertvollem Zuchtmaterial
    • Zur Vermehrung von genotypisch identischen Pflanzen (Viele Pflanzen werden nicht über Samen, sondern vegetativ vermehrt)
    • In-Vitro Langzeitlagerung von Zuchtmaterial ohne Einfluss der Witterung
 
Diese Kenntnisse bilden den Grundstein für
gentechnische Verfahren:
  • Ab 1978 --> Seit dem unterscheidet man traditionelle Züchtungsmethoden und gentechnische Verfahren
  • Einbringung von einem bestimmten Gen aus einem anderen Organismus
 
 
 
 
 
Genome Editing
  • Relativ neue molekularbiologische Methode, bei der DNA zielgerichtet verändert werden kann
  • Methode kommt ursprünglich von Bakterien
  • In Pflanzen erstmals mit Modellpflanze Tabak verwendet
  • Für zielgerichtete Veränderung im Erbgut werden Designer-Endonucleasen eingesetzt --> Schneiden DNA an bestimmter Sequenz --> Doppelstrangbrüche --> repariert durch Reperaturprozesse --> Es können Veränderungen in einzelnen Genen auftreten


Genome Editing
Verwenden molekularbiologische Methoden:
  • Züchtung wird immer genauer, zielgerichteter und damit effizienter
  • Neue Züchtungstechniken deshalb oft als Präzisionszüchtung bezeichnet
  • Eine Reihe von verschiedenen Techniken, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, man hat auch immer versucht sie in der Pflanzenzüchtung einzusetzen
  • Einsatz in Pflanzenzüchtung:
    • Gerade weil Pflanzenzüchtung in klassischen Prozessen sehr viele zeitraubende Abläufe hat und durch die Präzision der neuen Methoden es ermöglicht wird, die Abläufe zu umgehen oder zu beschleunigen
  • Ziel ist es nicht, die klassischen Züchtungsmethoden zu ersetzen, aber es eröffnet größeres Spektrum für Pflanzenzüchter
  • DNA-Insertions-Techniken sind besonders interessant:
    • Im Vergleich zu Mutationszüchtung wesentlich zielgerichteter
 
Verschiedene Systeme

Oligonukleotid gerichtete Mutagenese (ODM)
  • Einbringen von Oligonukleotiden bewirken gezielte Mutation; Marktreife

Zinkfinger-Nukleasen  (ZFN)
  • DNA zielgerichtet geschnitten, Reparaturmechanismen führen zu veränderten Genen; Gene werden eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet

TALEN (Transcription activator-like effector nuclease)
  • künstlich  hergestellte Enzyme schneiden DNA zielgerichtet,  Gene werden eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet
 
CRISPR/Cas-System
  • nutzt bakterielles Enzymsystem zur Virenabwehr, DNA wird gezielt geschnitten und verändert. Gene werden eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet, in Erprobung

Clustered regularly interspaced short palindromic repeat

CRISPR associated 9 nuclease

 
ODM, ZFN, TALEN: Mit dem Aufkommen von CRISPR/Cas obsolet geworden!
  • CRISPR/Cas viel einfacher in Anwedung
  • Bis zur Marktreife in einer Pflanze hat es allerdings nur ODM geschafft
    • In Mais, Raps, Tabak, Banane
      • Für Herbizidtoleranz, Toleranz gegen Stress etc.
      • Raps mit Herbizidtoleranz: Clear-Field-Raps
        --> So entstanden und bereits am Markt
Rechtlich:
  • Pflanzen, die mittels ODM hergestellt werden gelten rechtlich nicht als GMO! Die Mutationen im Genom können auch auf natürliche Weise oder durch Einwirkung von Mutagenen entstehen.
  • Methoden die Nucleasen nutzen (TFN, TALEN, CRISPR/Cas) gelten schon als GMO! 
 
 
Anmerkung: 
2001: GMO Direktive der EU vom Europäische Parlament
--> Definiert, welche Züchtungsmethoden nicht unter GMO Methoden fallen
  • Langwierige Kreuzungsverfahren
  • In-vitro Fertilisation
  • Mutagenese
  • Protoplastenfusion (solang sie von sexuell kompatiblen Pflanzen sind)
 
Ergänzung zu Techniken:

Techniken Genome Editing
  • Oligonukleotid gerichtete Mutagenese
    • Einbringen von Oligonukleotiden bewirkt gezielte Mutation
    • → Weniger unbeabsichtigte Mutationen im Genom
    • → Einbringen von Herbizidtoleranz, Schädlings- und Krankheitsresistenz, Toleranz ggü. abiotischem Stress, verlängerte Haltbarkeit, veränderte Stärke- und Öl-Zusammensetzung

  • Zinkfinger-Nukleasen
    • Synthetisch hergestellte Restriktionsenzyme → DNA wird zielgerichtet geschnitten
    • Gene werden gezielt ausgeschaltet, entfernt oder neue Gene hinzugefügt
    • Kann so konstruiert werden, dass sie gewünschte DNA-Sequenz gezielt erkennt
    • 3 Varianten in Pflanzenzüchtung: ZFN1, ZFN2, ZFN 3

  • TALEN
    • = Transcription Activator-like effector nuclease
    • synthetisch hergestellte Restriktionsenzyme → DNA wird zielgerichtet geschnitten
    • Herstellung recht aufwendig, da sie für jede neue DNA-Bindungsstelle extra konstruiert werden müssen

  • CRISPR/Cas-System
    • Präzises Instrument zur punktuellen Veränderung der DNA
    • CRISPR-Abschnitt erkennt mit der darin integrierten Guide-RNA die Ziel-Sequenz
    • Cas9-Protein schneidet DNA Doppelstrang
    • Zelleigenen Reparatursysteme fügen den durchtrennten Strang wieder zusammen
    • Einfacher, schneller, kostengünstiger und präziser als andere Genome-Editing-Verfahren

Diskussion