Modul: Evaluation

Qualitative Evaluationsforschung

 Das episodische Interview lässt sich anhand von 4 Phasen erklären. Zählen Sie die einzelnen Phasen auf und erklären Sie sie kurz?

Phase 1: Mit den ersten Fragen wird der Interviewpartner aufgefordert, seine subjektive Definition zum Forschungsgegenstand darzulegen und entsprechende Situationen zu erzählen (Was ist das für Sie, „Gesundheit“? Was verbinden Sie mit dem Wort „Gesundheit“?, Wodurch wurden Ihre Vorstellungen von Gesundheit besonders beeinflusst? Können Sie mir bitte ein Beispiel erzählen, an dem dies deutlich wird?)

Phase 2: In diesem Interviewabschnitt geht es um die Klärung der Rolle bzw. der Bedeutung des Forschungsgegenstands für das alltägliche Leben des Interviewpartners. Der Interviewpartner kann z.B. gebeten werden, einen typischen Tagesablauf zu erzählen und dabei die jeweilige Relevanz des Forschungsgegenstands zu verdeutlichen. Aus der Vielzahl der Situationen eines Tagesablaufs kann der Interviewer bestimmte Punkte herausgreifen und gezielt nachfragen (Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Vorstellung von Gesundheit im Laufe Ihres Berufslebens geändert hat? Bitte erzählen Sie mir dazu eine Situation, an der mir dies deutlich wird).

Phase 3: Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass der Interviewpartner aufgefordert wird, seine persönliche Beziehung zu den zentralen Aspekten des Forschungsgegenstands zu erläutern (Was beinhaltet für Sie in Ihrer beruflichen Tätigkeit, Gesundheit zu fördern? Könnten Sie mir bitte eine entsprechende Situation erzählen?)

Phase 4: In der vierten und letzten Phase wird der Interviewpartner gebeten, sich zu allgemeinen Aspekten des Forschungsgegenstands zu äußern und seine subjektive Sicht zu schildern. (Wer ist Ihrer Meinung nach verantwortlich für Ihre Gesundheit? Gibt es ein Beispiel einer Situation, an der Sie dies verdeutlichen können?)

Für die Auswertung eines episodischen Interviews sind nicht nur die Inhalte der erzählten Episoden aufschlussreich, sondern auch Überlegungen dazu, was den Interviewpartner zur Auswahl gerade dieser Episode veranlasst haben könnte. Wie bei anderen Interviewformen auch sind die Interviews (vollständig oder in Auszügen) zu transkribieren, Kategorien zu bilden und Interviews im Kontrast zueinander zu betrachten. Nach Flick (2006) eignet sich diese Interviewform für Evaluationen besonders, da hier konkrete Situationen zum Gegenstand gemacht werden und der Zugang zum entsprechenden Wissen relativ pragmatisch gehalten ist.

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