Kognitions- und Emotionspsychologie II

2.6 Evolutionspsychologische Ansätze
 
Modulare psychische Verarbeitung

Modulare psychische Verarbeitung:
Module der Wahrnehmung sind inputspezifische psychische Verarbeitungseinheiten: Sie sprechen nur auf eine ganz bestimmte Klasse von Reizen an, etwa visuell wahrgenommene Gesichter.
 
Module sind außerdem outputspezifisch: Die Effekte der modularen Verarbeitung beschränken sich auf bestimmte Konsequenzen (z.B. visuelle Gesichtserkennung)
 
Nicht-Penetrierbarkeit der modularen Verarbeitung: ist die Spezialisierung der modularen Verarbeitung auf bestimmte Inputs und Outputs
Nicht-Penetrierbarkeit bezeichnet, dass es dem Wahrnehmenden nicht möglich ist, willentlich oder absichtlich den Input oder Output der modularen Verarbeitung auszuwählen.
 
Bsp.: Ein Gesichtswahrnehmungsmodul erlaubt es dem Menschen z.b. eine Vielzahl von Personen schnell und sicher durch das Sehen von Gesichtern zu identifizieren. Vielleicht würden Menschen diese Leistung gerne gelegentlich auch zur schnellen und sicheren Identifikation von anderen Objekten verwenden (etwa Diagnostik von Karzinomen beim Betrachten der Röntgenbilder in der Mammographie)
→ Es ist aber unmöglich, Röntgenbilder mit und ohne Karzinom ebenfalls so schnell und sicher zu unterscheiden wie Gesichter
→ sogar umgekehrt: Die Unterscheidung der Röntgenbilder ist so schwierig, dass manche Mediziner den Wert der Mammographie für die Diagnose von Karzinomen bezweifeln. Die visuellen Merkmale der Röntgenbilder unterscheiden sich zu stark von den Inputmerkmalen, für die das Gesichtswahrnehmungsmodell sensibel ist, und die Inputmerkmale eines Moduls können nicht willkürlich ausgewählt und modifiziert werden.
 
Module entsprechen häufig bestimmten Gesichtsarealen, wie z.B. der Gyrus fusiformis bei der Gesichtswahrnehmung.
Wenn dann noch ein in der Stammesgeschichte des Menschen wiederkehrendes Problemszenario benannt werden kann, für das das Verarbeitungsmodul eine erfolgreiche Lösung darstellen würde, sind zwei Bedingungen erfüllt um die eine evolutionäre Genese begründen:
(1) Module sind zeitlich stabile Strukturen des Geistes, aber sie sind nur von geringer allgemeiner Nützlichkeit, da sie auf viele Herausforderungen nicht angewandt werden können
(2) Module sind aber außerdem für die Lösung ganz bestimmter dringender und stammesgeschichtllich plausibler Probleme sehr gut geeignet.
 
⇒ Manche Autoren halten es daher für sehr wahrscheinlich, dass modulare Verarbeitung das Ergebnis evolutionärer Anpassung der Art (z.B des Menschen) an diese Probleme darstellt.
Diese Autoren argumentieren daher umgekehrt für eine evolutionspsychologische Erklärung wann immer die psychische Verarbeitung modularen Charakter aufweist
 

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