Kognitions- und Emotionspsychologie II

5.3 Automatische und kontrollierte Verabeitung
 
Asymmetrische Interferenz als Folge automatischer Verarbeitung:
STROOP-EFFEKT

Stroop (1935): zeigte Vpn Farbwörter & Zeichenketten
→ Beide Arten von Reizen konnten in unterschiedlichen Farben gedruckt sein
 
Inkongruente Bedingung: Bedeutung der Farbwörter stimmte nicht mit der Druckfarbe überein (zB Wort "Blau" in zB gelb gedruckt)
 
Neutrale Bedingung: farbdeutungslose Zeichenketten statt Farbwörtern (zB Symbole in zB gelb gedruckt  1)
 
Beim Benennen der inkongruenten Druckfarben zeigte sich Interferenz.
Das Benennen der Druckfarben in inkongruenten Bedingungen erfolgte langsamer als das Benennen der Druckfarben neutraler Zeichenketten.
 
asymmetrische Interferenz: zweite Bedingung Lesen von Farbwörtern:
Farbwörter waren entweder in inkongruenter Farbe oder neutral (schwarz) gedruckt;
keine Interferenz (keine Verzögerungen der Lesegeschwindigkeit durch inkongruente im Vergleich zu neutralen Druckfarben)
Asymmetrische Interferenz wurde auf die Automatisiertheit des Lesens zurückgeführt.
 → Farbwörter riefen bei Vpn unwillkürlicheine Tendenz hervor, die Wörter auch in der Aufgabe zu lesen, in der die Vpn Druckfarben benennen sollten.
Das automatische Lesen interferierte in diesen inkongruenten Bedingungen mit der Benennung der Druckfarbe, da die gelesene Farbbedeutung nicht mit der Druckfarbe übereinstimmte. Beim Lesen der Farbwörter hingegen gab es keine gleichartige Interferenz, da die unwillkürliche Tendenz zum Lesen der Wörter, der gestellten Aufgabe der Vpn entspricht.
 
Alternative Erklärung: man könnte versuchen, die asymmetrische Stroop-Interferenz des Lesens (d. Wortbedeutung) auf das Benennen (der Druckfarben) bei gleichzeitig fehlender Interferenz des Benennens ohne Rückgriff auf automatische Verarbeitung zu erklären.
→ Annahme dazu: Benennen der Druckfarbe beansprucht mehr Kapazität als das Lesen; das von der zentralen Kapazität geringer abhängige Lesen könnte interferenzfrei erfolgen, obwohl das Benennen der Druckfarben gestört wird.
⇒ ABER: es gibt Formen der Interferenz, die im Experiment hervorgerufen werden
> es wäre notwendig 2 Erklärungen (1x für Stroop-Effekt; 1x Ergebnisse Shiffrin & Schneider) zu geben. Das ist offensichtlich weniger sparsam als eine Erklärung für beide Datenmuster anhand erhöhter Interferenz durch besser geübte und höher automatisierte Verarbeitung .
> Man hat nichts als einen zirkulären Schluss gezogen, wenn man aus der beobachteten asymmetrischen Stroop-Interferenz auf mangelnde Kapazität in der Farbdruckbenennungsaufabe, nicht aber in der Farbwortleseaufgabe als Ursache schließt
> gerade im Fall des Stroop-Effekts ist es unwahrscheinlich, dass das Benennen von Druckfarbwörtern generell höher beansprucht als das Lesen von Wörtern, denn Analphabeten (zB Kinder die noch nicht lesen können aber sprechen) können durchaus schon Druckfarben benennen. Das frühere Entwicklungsalter des Farbbenennens als des Lesens lässt es als unwahrscheinlich erscheinen, dass das Farbbenennen die schwierigere und stärker beanspruchende Leistung sein soll.
 
Heute: man weiß, dass die besprochenen Merkmale der automatischen Verarbeitung nicht konvergieren.
So weist die Zuwendung der Aufmerksamkeit auf plötzlich beginnende Einzelreize in der Peripherie des Gesichtsfeldes Merkmale der automatischen Verarbeitung auf (etwa hohe Geschwindigkeit der Zuwendung der Aufmerksamkeit) und kann trotzdem willentlich unterdrückt werden.
Einige Autoren: Unterscheidung zwischen stark und schwach automatischer Verarbeitung; Annahme, dass nur die stark automatische Verarbeitung nicht willentlich modifiziert und unterdrückt werden kann.
Aber auch die anderen Merkmale der automatischen Verarbeitung treten nicht immer gemeinschaftlich auf. So können auch Formen der absichtlichen Verarbeitung mit Reizen beobachtet werden, für die die Vpn kein Bewusstsein haben.
 
 
 

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