WISP-Klausur 20.12.2017

Schwankungen im Wachstumsprozess: Die Konjunktur.

Jeweils am 15.11. jeden Jahres legt der Sachverständigenrat (die sogenannten fünf Wirtschaftsweisen) der deutschen Öffentlichkeit sein Gutachten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vor. Obwohl es sich dabei um einen dicken Wälzer mit weit über 400 Seiten handelt, stürzt sich die Presse meist nur auf die Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr. Und in der Tat hängt davon eine Menge ab. Die Konjunkturentwicklung entscheidet mit über den Spielraum für Lohnerhöhungen und über die künftigen Gewinnaussichten der Unternehmen. Auch die Steuereinnahmen des Staates und das Beitragsaufkommen in den gesetzlichen Sozialversicherungen ist konjunkturabhängig. Vor allem aber bestimmt die Konjunktur zumindest kurzfristig auch die Höhe der Arbeitslosigkeit. Während im Aufschwung normalerweise die Beschäftigung steigt, muss man im Falle eines Abschwungs mit Entlassungen und höheren Arbeitslosenquoten rechnen. Kein Wunder also, dass Konjunkturprognosen meist mit großer Spannung erwartet werden.
 
Wie aber kann man den ständigen Wechsel zwischen Aufschwung und Abschwung erklären? Allgemein versteht man unter Konjunktur mehr oder weniger regelmäßig auftretende Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Man misst sie in erster Linie daran, wie stark die Produktionskapazitäten der Unternehmen ausgelastet sind. Während im Konjunkturboom nahezu Vollauslastung herrscht, sind in der Rezession die Produktionsanlagen der Industrie oft nur zu 70% beschäftigt. Dementsprechend ist im Boom auch die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch, während es in der Rezession zu Entlassungen und Arbeitslosigkeit kommt.
 
Schon in vorindustrieller Zeit sind Schwankungen der Wirtschaftsaktivität beobachtet worden.
In der Zeit bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als die volkswirtschaftliche Produktion noch zum größten Teil aus landwirtschaftlichen Gütern bestand, macht man die Ernteschwankungen dafür verantwortlich. Es gibt auch eine moderne Variante dieses Erklärungsansatzes. Hier sind es andere, mehr oder weniger zufällige Ereignisse wie eine Ölkrise, welche die Wirtschaft über eine Reihe von Selbstverstärkungsprozessen in Schwingungen versetzt.
 
Solche Selbstverstärkungsprozesse bilden letztlich den Kern jeder Konjunkturerklärung. Steigende Einkommen führen zu steigender Nachfrage, diese wiederum zu steigenden Einkommen bei den Anbietern der betreffenden Güter und so weiter.

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