Das politische System Deutschlands - WS17/18

VL8: Skizziere die Entwicklung der Parteien als Organisationen!

  • Honoratioren- und Eliteparteien (Konservative und Liberale)
    • Lose Zusammenschlüsse des Besitz- und Bildungsbürgertum des 19. Jh.
    • Häufig entstanden aus Zusammenschlüssen von Parlamentariern
  • Massenintegrationsparteien (Sozialdemokraten, christliche Parteien)
    • Entwicklung eines festen Mitgliederstammes aus Vereinen heraus;
    • Repräsentation eines sozial-moralischen Milieus ab Mitte/Ende 19. Jh.
    • -> Weltanschauungsparteien (SPD; DZP; USPD)
      • geistige Eingliederung der Massen über elaborierte Programmatik / Weltanschauung im Verlauf des Kaiserreichs;
      • Max Weber spottet 1918: „Selbst verschuldete Minoritätsparteien“, da durch rigide Ideologie geneigte Wähler verprellt werden
    • -> Absolutistische Integrationspartei (NSDAP; KPD; SED)
      • Totalitäre Weltanschauung mit dem Ziel des Monopols der Meinungs- und Willensbildung in der ersten Hälfte des 20. Jh. (vgl. Neumann 1956)
      • rassistisch-nationalistische Weltanschauung ermöglicht rhetorisch die Überwindung von Konfessions- und Klassentrennungen (Propaganda)
      • revolutionär-kommunistische Weltanschauung schließt rhetorisch das Besitzbürgertum als Teil des „wahren“ Volkes aus (Propaganda)
  • Catch-All-Parteien/Volksparteien (CDU/CSU; SPD ab 1959; FDP)
    • Begriff von Otto Kirchheimer (1965)
    • Partei als Mittler zwischen Staat und Gesellschaft
    • Verzicht auf geistige Eingliederung
      -> Auflösung der festen Gruppenbindung
      -> höheres Wählerpotential, nicht mehr „selbstverschuldete Minderheitsparteien“, flexiblere Anpassung an sich wandelnde Umwelt
  • Professionalisierte Wählerparteien (Begriff von Panebianco 1988)
    • seit den 1970er Jahren in Europa: Parteien als Wahlkampfinstrumente
    • Programme spielen eine Rolle zur Wählergewinnung, es werden aber keine vollständigen Weltanschauungen mehr angeboten
    • Reaktion auf funktionale Differenzierung und gestiegene Komplexitätsanforderungen
    • Mitglieder spielen außer zur Elitenrekrutierung nur noch eine untergeordnete Rolle (Kritik an diesem Parteityp vor allem von den Piraten; in den 1980er Grüne)
  • Ähnlich: kritische Sicht auf professionalisierte Wählerparteien bei Katz und Mair (1995): Kartellparteien
    • Parteien auch nicht mehr Mittler zwischen Staat und Gesellschaft
    • Berufspolitiker als eigene politische Klasse mit parteiübergreifenden Zielen
    • Konzept ist medial populär, aber nicht wirklich empirisch haltbar (Aufkommen neuer Parteien in rechtsstaatlichen Demokratien zum Aufbruch eines potentiellen Kartells problemlos möglich; Konkurrenz um Wählerstimmen verhindert bei funktionierenden rechtsstaatlichen Institutionen permanente parteiübergreifende Absprachen)

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