VU Gesundheitspsychologie

6. Mind-Body-Interaktionen: Wie beeinflussen psychische Faktoren die Gesundheit?

Kortisol & Immunsystem 

Annahme für lange Zeit: vermehrte Ausschüttung von Kortisol ginge mit einer immunhemmenden Wirkung einher.


Heute: unter Stress laufen gleichzeitig immunhemmende und -fördernde Prozesse ab und hängen direkt mit der neuroendokrinen Stressantwort und der Ausschüttung von Katecholaminen und Glukokortikoiden zusammen.

  • akuter Stress reduziert die Anzahl von Lymphozyten, Monozyten und Natural-Killer-Zellen (NK-Zellen) im Blut
  • Immunzellen "wandern" an Stellen im Körper, wo sie möglicherweise gebraucht werden.
    = stressinduziertes „trafficking“ 

akuter Stress:
Anzahl von Immunzellen im Gewebe (wie der Haut) ist erhöht
→ Durch diese partielle Immunaktivierung wird der Organismus kurzfristig  vor Infektionen geschützt, und Wundheilungsprozesse werden beschleunigt.
Stress unterdrückt allerdings gleichzeitig die Immunabwehr und macht den Organismus auf diese Weise anfällig für Infektionen. Dies geschieht umso mehr bei einer hyperreaktiven HHN-Achse, bei der die Rückregulation der Hormonausschüttung gehemmt ist.
Umgekehrt ist eine hyporesponsive HHN-Achse (zu geringe Kortisolausschüttung) mit Autoimmunkrankheiten assoziiert, bei denen das Immunsystem gewissermaßen „Amok“ läuft und körpereigene Zellen attackiert. Umso wichtiger ist also auch für das Immunsystem eine funktionierende Rückregulation der neuroendokrinen Stressantwort.

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