Forschungsmethoden Zusatz M10

Welche sind die zentralen Positionen des Rationalismus, Empirismus, Idealismus, Relativismus, Falsifikationismus, raffininierten Falsifikationismus?


Nenne je eine Vertreter. 

Welche waren die jeweiligen zentralen Begründungen bzw. Argumentationslinien für die Vertretung dieser Erkenntnisphilosophien?


Übersicht:

Griechische Antike: Platon (Sokrates), Aristoteles
Mittelalter:
Ab 17. Jhdrt.: Rationalismus (Descartes, Hobbes, Spinoza)
                         Empirismus (Locke, Hume)
                         Idealismus (Berkley, Kant)

Ab Beginn 19. Jhdrt.: Idee der vernünftigen Gesellschaftsordnung (Hegel, Marx, Engels, …, Lenin)

Neuzeit: Pragmatismus (Dewey)
                Linguistic Turn (Wittgenstein)
                Wissenschaftlicher Relativismus (Feyerabend, Kuhn)
                Falsifikationismus (Popper, Lakatos)



Rationalismus:

-Philosophieren in logischen Schlüssen, Definitionen, Prämissen
-methodische Zweifel, Erklärungsansätze aus Naturgesetzen und Mathematik
-Autoritäten verlieren Beweiskraft
Paradoxie: Erkenntnis der Begrenztheit des Verstandes, der gleichzeitig das Erkenntniswerkzeug in der Vernunft ist, die an kein Individuum gebunden ist

René Descartes (1596-1650):
  • Beweisführung vom strengsten Zweifel her
  • Schluss: Auch im Moment des abschließenden Zweifels denke ich noch und existiere mithin
  • Beweis: Existenz Gottes durch seine Vollkommenheit: Mich glauben zu lassen, ich wäre wach und ginge mit materiellen Dingen um, während ich in Wirklichkeit schliefe und zu dieser Realität keinen Zugang hätte, wäre Betrug durch Gott. Gott kann nicht betrügen, ein vollkommendes Wesen braucht sich nicht mit Betrügen zu begnügen. Also: Existenzbeweis durch die Gewissheit über die Vollkommenheit
Thomas Hobbes (1588-1679)

  • Eigenschaften, von deren Vorhandensein der Mensch aufgrund seiner Sinneswahrnehmung ausgeht, sind in Wahrheit nicht vorhanden, sondern treten nur scheinbar und als Erscheinung auf
  • Der menschlichen Sinneswahrnehmung entspricht keine äußere Welt. Infolgedessen sind die Erkenntnisse über die Welt aufgrund der eigenen Sinneswahrnehmungen nicht möglich, sondern nur durch strikte Logik und Vernunft

Empirismus

-Strenge Rückführung aller Erkenntnis auf Sinneswahrnehmung
-keine Berufung auf Autoritäten
-konstante Selbstkritik der Naturwissenschaften
John Locke (1632-1704) 
  • „The understanding like the eye, whilst it makes us see, and perveive all other things, takes no notice of itself.“
  • Alles Wissen entsteht aus Sinneswahrnehmungen. Wir sehen Dinge, erhalten von ihnen Ideen, setzen die Ideen zusammen, verfügen in Erinnerungen über sie und entwickeln durch Wahrnehmung Vorstellungen von Kausalität
  • Formulierungen von Erkenntnissen durch Sprache, Rückwirkungen von Sprache auf Erkenntnis

David Hume 
  • Unterscheidung zwischen Wahrnehmung und Idee
  • Induktionsproblem: Menschliche Erkenntnis ist entweder intuitiv, deudktiv oder empirisch
  • Logik der Induktion als Begründungsmethode: Allg. Gültigkeitsanspruch ergibt sich durch wiederholte Beobachtung und Annahme der fortgesetzten Wiederholung. Voraussetzung gleichförmiger Welt darf unmöglich zutreffen. DIe gegenteilige Annahme ist aber widerspruchsfrei und somit möglich
  • -> beide Annahme sind gleichermaßen möglich
  • -> Voraussertung gleichförmiger Natur kann unmöglich notwendig oder allgemein sein
  • -> keine logische Rechtfertigung für Induktionsschluss
  • -> Anspruch der Induktionsmethode auf allg. Begründungsleistung ist notwendig falsch
  • Kausalität: Erkenntnis von Ursache und Wirkung basiert auf Annahme, dass wahrgenommene Ereignisse auch künftig so erfolgen. Also was bewiesen werden soll, bildet gleichzeitig auch die Annahme für den Beweis
—> Theorie des geordneten Universums ist ein Zirkelschluss


Idealismus

-Integration von Rationalismus und Empirismus 
-Wir gehen nicht mit der Außenwelt selbst, sondern mit Wahrnehmungen von der Außenwelt um. Aus unseren Wahrnehmungen können wir allenfalls schließen, dass es eine Außenwelt gibt. Zu dem Schluss brauchen wir aber Ideen, die zum auswerteten Subjekt gehören. 

George Berkeley (1685-1753) 
  • Erkennendes Subjekt, Wahrnehmung als Abbild der Außenwelt
  • Sein von Dingen ist nur durch und bei ihrer Wahrnehmung sicher. Existenz ist das Wahrgenommen werden
  • Außenwelt wird nie genau in ihrer Form Gegenstand unserer Wahrnehmung
Immanuel Kant (172-1804) 
  • Erfahrungen ohne Begriffe sind blind, Begriffe ohne Erfahrungen sind leer
  • Erkennendes Subjekt: Wir nehmen nicht Dinge an sich wahr. Dinge haben auch Qualitäten, die wir nie wahrnehmen.
  • Pures Denken muss mit inhaltlichem Material umgehen, einerseits Sinnesempfindungen, Wahrnehmungen, anderseits Begriffe, Ideen. Ohne begriffliches Raster erkennen wir aus der Wahrnehmung nichts
  • A priori-Urteile: Schlüsse nach gesetzten Regeln unabhängig von Erfahrung
  • A posteriori-Urteile: Aufgrund Erfahrung 

Relativismus
-Thomas S. Kuhn (1922-1996)- Theorie der Paradigmenwechsel

  • Normalwissenschaft und wissenschaftliche Revolution
  • Andauernde Probleme an zentralen Theoriepunkten oder überraschenden Entdeckungen führen zu Paradigmenwechsel
  • Auch: neue Theorien setzen sich nicht aufgrund argumentativer Überlegenheit durch, sondern weil die Vertreter der alten Theorien sterben

Paul Feierabend - Wissenschaftlicher Anarchismus

  • Theorien sind nicht wahr oder falsch. Wissen ist durch Nützlichkeit gekennzeichnet. Universelle, ahistorische Methoden lassen sich nicht formulieren, keine allgemeingültigen Bewertungsmaßstäbe
  • Wissenschaftsgeschichte: Beispiele für Erfolge durch Abweichungen von gängigen/ akzeptieren Methodologien
  • Wissenschaft muss jeweils selbst Abänderung von Maßstäben, Theorien und methdodologischen Grundsätzen festlegen. Wissen ist empirisch, nicht-empirische Überlegungen sind entwerder Logik oder Unsinn
  • Slogan: Anything goes

Falsifikationismus
-Sir Karl Popper (1902-1994) - Kritischer Rationalismus

Abkehr von Muster Rechtfertigung/ Begründung

Trilemma bei Begründung des Beweises

  1. Infinter Regress: Begründung kann angezweifelt werden und bearf wiederum Begründung, usw.. kein Kriterium für absolute Begründung
  2. Zirkelschluss: Begründung der Theorie liegt in ihrer Voraussetzung
  3. Abbruch des Begründungsprozessses, Berufung, Autoritäe/ Prämissen, Dogmen
  • Nachweis, dass Theorien nicht als wahr beweisbar sind
  • Wissenschaftsfortschritt durch Falsifikation: Annäherung an die Wahrheit ohne Anspruch, Wahrheit zu finden
  • Wissenschaftliches Kriterium: Falsifizierbarkeit



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