Klinische Psychologie - Störungslehre

Stressassoziierte Störungen

Anhaltende Trauerstörung - ICD 10

Qualitativ unterscheidet sich die pathologische Trauer nicht von normaler Trauer. Die Unterschiede bestehen in der Intensität der Symptomatik (Dauer und Schweregrad) sowie die bedeutsamen Belastungen oder Beeinträchtigungen in wichtigen Lebensbereichen
 
Anhaltende Trauerstörung (6B42):
  1. A) Ereignis: Trauerfall (Verlust eines Partners, Elternteils, Kindes oder einer anderen nahestehenden Person)
  2. B) Anhaltende und durchdringende Trauerreaktion charakterisiert durch:

Starke(s) und anhaltende(s) Verlangen und Sehnsucht nach der verstorbenen Person

anhaltende Beschäftigung mit dem Verstorbenen bzw. starkes und anhaltendes gedankliches Verhaftetsein mit der verstorbenen Person oder den Todesumständen

C) Symptome aus B werden begleitet von intensivem emotionalem Schmerz, z.B.:

  1. Traurigkeit
  2. Schuldgefühle
  3. Wut/Ärger
  4. Vermeidung/Verleugnung
  5. Vorwürfe/Schuldzuweisung
  6. Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren
  7. Das Gefühl, einen Teil des eigenen Selbst verloren zu haben (beeinträchtigtes Identitätsgefühl oder Selbst(-konzept))
  8. Unfähigkeit, positive Stimmung zu erleben
  9. Emotionale Taubheit
  10. Schwierigkeiten, sich auf soziale oder andere Aktivitäten einzulassen
D) Die Trauerreaktion persistiert für eine atypisch langanhaltende Periode (mindestens 6 Monate) und übersteigt die erwartbaren sozialen, kulturellen oder religiösen Normen der Kultur und des Kontextes des Individuums deutlich. Langanhaltende Trauerreaktionen, die in Anbetracht des kulturellen und religiösen Kontextes der Person einer normativen Trauerperiode entsprechen, werden als normale Trauerreaktionen betrachtet und erhalten keine Diagnose
 
E) Die Einschränkungen verursachen signifikante Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, ausbildungsbezogenen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen

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