Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 2

2.2 Gestaltpsychologie
 
Ding und Medium

Fritz Heider (1896-1988): griff Brentanos Idee der Intentionalität auf
 
Er ermittelte "Ding" und "Medium" als Entsprechungen von inexistentem Objekt einerseits und von Intention (im Sinne Brentanos) andererseits.
→ Frage nach dem Zusammenhang von distalem und proximalem Reiz
 
Distaler Reiz: bezeichnet den Gegenstand in der Umgebung (z.B. einen Berg)
Proximaler Reiz: Repräsentation des Umgebungsgegenstandes durch das periphere Sinnesorgan (z.B. das zweidimensionale Abbild des Berges auf der Retina)
 
⇒ Haider fragte sich, wie die Beziehung zwischen distalem und proximalem Reiz gestaltet sein muss, damit es dem Betrachter möglich ist, einen Berg zu sehen, wenn doch nur ein zweidimensionales Lichtmuster heller und dunkler Punkte auf der Retina verfügbar ist.
Erklärung:
wahrgenommene Dinge (d.h. Objekte, wie z.b. ein Berg) strukturieren und determinieren das Muster im Medium (beim Sehen im Medium des Lichts) :
Beim Sehen im Besonderen (und in der Wahrnehmung im Allgemeinen) erscheinen uns die Dinge als Wahrnehmungsinhalte, weil ihre nicht-transparenten Oberflächen die Ursache der Lichtmuster darstellen.
Das Licht hat hingegen nur die Rolle eines Mittlers oder Mediums, weil die Lichtmuster auf der Retina , also die proximalen Reize, nicht (oder stets gleichförmig) durch die Eigenschaften des Lichtes selbst bestimmt werden und alle veränderlichen Merkmale der Lichtmuster von den Dingen herrühren.
 
→ Heiders Mediumbegriff ist also eine Entsprechung von Brentanos phänomenaler Intention, d.h. einer "Qualität" der Bezugnahme auf das Objekt.
→ Heiders Dingbegriff entspricht hingegen Brentanos inexistentem Objekt
 

Diskussion