Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 2

2.3 Gibsons ökologische Wahrnehmungstheorie
 
Affordances oder Anbietungen

Wahrnehmung dient also nicht den internen Repräsentationen, sondern direkt der Handlungssteuerung und der Arterhaltung!

Zwei Konzepte:
  •  Handlungsanbietungen ("affordances")
    visuelle Objekterkennung besteht in der Wahrnehmung der handlungsseitigen Verwendbarkeit von Objekten und Orten (z.B. eines Platzes als Unterschlupf oder als Sitz)
  • Wahrnehmung als adaptiver Vorgang der Abstimmung ("tuning") des Organismus, nicht seiner Repräsentationen, auf die Umwelt
 
Es ist durchaus möglich, dass Gibson sich mit dem Konzept direkter Wahrnehmung auf unbewusste visuelle Vorgänge bezieht, deren charakteristisches Kennzeichen gerade das Fehlen der sinnestypischen Empfindung (z.B. phänomenaler Scheineindurck) ist.

Gibsons Theorie mutetdaher im Kern beinahe paradox an, weil Gibson sich stark auf die intuitive Plausibilität des egozentrischen phänomenalen Eindrucks seiner Leser verlässt, ohne dem phänomenalen Eindruck eine wesentliche Rolle für die weitere psychische Verarbeitung einzuräumen.

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