Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 4

4.3 Hirnphysiologische Methoden
 
Physiologische Reduktion

Reduktion = die Übersetzung einer theoretischen Erklärung höherer Ordnung in eine theoretische Erklärung niedriger Ordnung.
 
physiologische Reduktion = Übersetzung einer geistigen oder psychologischen Erklärung in eine physiologische Erklärung.
 
Hirnphysiologische Methoden ersetzen vermutlich NICHT die Introspektion.
Ein Teilziel der Psychophysik bleibt die Beschreibung subjektiver Wahrnehmung (am stärksten von Wundt betont).
Nach Wundt verfehlt eine Psychologie ihren Gegenstand, sooft von der subjektiven Erscheinung abgesehen wird. > Das wäre bei einer ausschließlichen Verwendung hirnphysiologischer Methoden der Fall.
Hirnaktivität übersetzt sich nicht eins zu eins in subjektive Wahrnehmung und Empfindungen (bsp: Blindsicht).
Subjektive Eindrücke können bislang nur sicher durch Introspektion erfasst werden.
⇒ physiologische Verfahren stellen daher eher einen komplementären als einen die Introspektion ersetzenden Zugang zum psychophysischen Geschehen dar.
 
Die kausale Wirkrichtung von hirnphysiologischen Geschehen auf die subjektiven Empfindungen rückt hirnphysiologisches Geschehen allerding in den Mittelpunkt der Erklärung der  psychophysischen Beziehung zwischen Reiz und Wahrnehmung.
Theoretisch ist es sogar denkbar, dass subjektive Erscheinungen auf physiologische Prozesse zurückgeführt oder "reduziert" werden.
 
Allerdings denken nur wenige Autoren, dass diese Reduktion bereits gelungen ist.
>  Reduktion setzt nämlich logisch eine vollständige Beschreibung des reduzierten Gegestandes als ihr Prüfkriterium voraus: Nur so kann der Erfolg der Reduktion verifiziert werden.
> Prüfkriterium der Reduktion: entspricht der vollständigen Beschreibung subjektiver Wahrnehmung und Empfindung
> daraus rechtfertigt sich die historische Priorität des introspektiven Forschungsprogramms
 
> Zuerst ist subjektive Wahrnehmung adäquat zu beschreiben.
Erst dann kann versucht werden, den subjektiven Eindurck auf physiologische Prozesse zu reduzieren.
 
Gegenwärtig kann also sicher gelten, dass das introspektive psychophysische Programm noch nicht erfolgreich abgeschlossen wurde.
 
Man könnte die subjektiven Erscheinungen in der Psychophysik auch für irrelevant erkklären oder für wenig interessant halten.
Dann stünde einer rein physiologisch basierten Psychophysik nicht mehr im Wege.

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