Kognitions- und Emotionspsychologie II

4.4 Mathematisch-statistische Verfahren der Psychophysik
 
Signalentdeckunstheorie

Signalentdeckungstheorie (SDT "signal detection theory):
 
generelles Problem der Psychophysik besteht in der Streuung der psychophysischen Urteile: Identische Reizbedingungen rufen unterschiedliche Urteile hervor.
Reize von ein und derselben Stärke werden zB je nach Grad der Aufmerksamkeit oder Müdigkeit der Vpn in einigen Fällen bemerkt und in anderen nicht.
 
⇒ SDT fasst die Streuung der Urteilsdaten normalverteilt auf.
Jede Verteilung entspricht dabei den unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten spezifischer Urteile, gegeben ein spezifisches Reizereignis.
⇒ SDT erlaubt den direkten Vergleich der Wahrscheinlichkeitsverteilung eines Urteils (zB Urteil: "A war gegeben") bei Reizereignis A (sog. Signalen) mit der Wahrscheinlichkeitsverteilung desselben Urteils bei Reizereignis ˜A (sog. Rauschen).
 
Bsp: Angenommen in jedem Durchgang eines Experiments werden zwei Intervalle realisiert: eines mit (schwachem) Signal (und Rauschen) und eines nur mit Rauschen.
Bittet man die Probanden nur auf Intervalle zu antworten, die das Signal enthalten, ergeben sich vier Häufigkeiten:
- für Treffer: Antworten auf Signalintervalle
- für Falsche Alarme: Antworten auf Rauschintervalle
- für Verpasser: Signalintervalle, auf die nicht geantwortet wurde
- für richtige Zurückweisungen: Rauschintervalle, auf die nicht geantwortet wurde
 
⇒ Mit Hilfe dieser Häufigkeiten lassen sich Urteilleistungen tendenzfrei schätzen.
⇒ Die Differenz zwischen der Rate (korrekter) Treffer und der Rate (inkorrekter) Falscher Alarme wird nicht durch eine Tendenz zur Antwort bestimmt.
⇒ Signalantworttendenzen aufgrund von Adaption verzerren daher psychophysiche Differenzmaße der SDT wie d' (Differenz zwischen der z-transformierten Trefferrate und der z-transformierten Rate Falscher Alarme)
nicht.
⇒ SDT Maße spiegeln Merkmale von Verteilungen wieder, d' ist zB ein Differenzmaß der Verteilungen von Treffern und Falschen Alarmen: Je höher die Übereinstimmung, umso geringer d'.
⇒ Methoden der SDT wurden für eine Vielzahl unterschieldicher Urteilssituationen entwickelt.
⇒ SDT erlaubt es außerdem weitere Parameter (zB Antworttedenz) zu schätzen und mit der SDT kann das Antwortverhalten von Neuronen ebenso analysiert werden wie zB subjektive Urteile der Vpn
 
 

Diskussion