Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 4

4.4 Mathematisch-statistische Verfahren der Psychophysik
 
Bedingte Wahrscheinlichkeit - Bayes Theorem

Bayes Theorem:
Theorem gibt an, wie zwei im Vorhinein (a priori) bestehende Wahrscheinlichkeiten (PA) und (PB) sich mit der beobachteten gemeinsamen Antwortwahrscheinlichkeit der zwei Ereignisse (PB/A) zu einer im Nachhinein (a posteriori) bestehenden Wahrscheinlichkeit (PA/B) kombinieren:
PA/B = PB/A x PA/PB
 
In der Psychophysik lässt sich mit Hilfe des Bayes-Theorems z.B. die Urteilswahrscheinlichkeit, dass ein Reiz 'blaues Quadrat' gesehen wurde, als a posteriori bestehende Wahrscheinlichkeit bestimmen, wenn die zwei erwarteten Wahrscheinlichkeiten (als a priori bestehende Wahrscheinlichkeiten) für (1) blaue Objekte und (2) Quadrate und die gemeinsame Auftretenswahrscheinlichkeit von (3) blauen Quadraten bekannt sind.
 
⇒ Bayes-Theorem kann so zur mathematisch formalisierten Beschreibung des Wahrnehmungsvorganges verwendet werden.
Da das Theorem die Kombination mehrerer Wahrscheinlichkeiten erlaubt, ist es gut für die formalisierte Beschreibung multimodaler Urteile geeignet, zu denen mehrere Modalitäten oder Rezeptorsysteme beitragen.

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