Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 4

4.5 Verhalten und Verhaltensbeobachtung
 
Visuelle Suche

Widerspruch:
Blickrichtung ≠ Richtung der Aufmerksamkeit
 
Auflösung des Widerspruches durch Beispiel der visuellen Suche.
 
Visuelle Suche:
Situationen, in denen zu suchende (relevante) Zielreize unter zu ignorierenden (irrelevanten) Distraktoren gefunden werden müssen.
(Bsp: Suchen von Textpassagen; Finden von Bekannten an belebtem Ort)
 
2 verschiedene Leistungsmuster experimenteller Bedingungen:
  • geringe Ähnlichkeit zwischen Zielreiz und Distraktoren
    → Suchzeit wird kaum von Zahl der Distraktoren beeinflusst
  • hohe Ähnlichkeit zwischen Zielreiz und Distraktoren
    → Suchzeit steigt mit der Menge der Distraktoren an
 
Suchfunktion: mathematische Funktion, mit der aus der Zahl der Reize, die Dauer der Suche vorhergesagt werden kann.
Hohe Zielreiz-Diskraktor-Ähnlichkeit: Suchfunktion meist linear und monoton wachsend
→ Man kann die Dauer schätzen, die für die Verarbeitung eines Reizes benötigt wird.
Dauer beträgt auch bei anspruchsvoller Suche selten mehr als ca 40-60 ms pro Reiz.
→ So kurze Dauer, dass Sakkaden von einem Reiz zum nächsten diese Reizverarbeitungsdauer nicht erklären können.
In der Regel führen Menschen ca 3 Sakkaden pro Sekunde aus.
Selbst sog. Express-Sakkaden (nur unter optimalen Bedingungen) haben eine Ausführungslatenz von mind. 80-120 ms.
⇒ Verarbeitungszeit pro Reiz in der visuellen Suche liegt also noch deutlich darunter
⇒ Ergebnisse werden durch Aufmerksamkeit erklärt!

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