Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 5

5.1 Doppelaufgaben und Interferenz
 
Versuchsanordnung mit zwei Bedingungen - Welford

Zwei Bedingungen:
  • Vpn muss nur eine Aufgabe lösen
  • Vpn muss zwei Aufgaben lösen
 
Bedingung mit zwei Aufgaben sollte die geistige Kapazität stärker beanspruchen als die Bedingung mit einer Aufgabe
→ Höhere Kapazitätsbeanspruchung in Doppelaufgabenbedingung sollte zu einer geringeren Leistung führen als in der Einzelaufgabenbedingung, wenn Selektivität die Folge des Kapazitätsmangels ist.
 

Experiment Welford (1952)
Bestätigung der obigen Annahme, zeitlicher Abstand zwischen den Aufgaben der Doppelaufgabenbedingung wurde systematisch variiert
 
Welford verlangte von Vpn die Unterscheidung von Tönen als Primäraufgabe & die Untersuchung von visuellen Reizen als Sekundäraufgabe und manipulierte systematisch das zeitliche Intervall zwischen den Aufgabe durch das zeitliche Intervall zwischen Ton & visuellem Reiz.
 
Beobachtungen:
  • stärkste Leistungseinbußen, wenn die beiden Aufgaben zeitgleich ausgeführt werden mussten
    Einbußen sowohl in Primär- als auch Sekundäraufgaben beobachtet
  • zunehmendes Zeitintervall zwischen Aufgaben: Leistung in beiden Aufgaben wurde besser.
    Zunächst profitierte die Primäraufgabe
  • Interferenz zwischen Leistungen wird beobachtet, wenn sich die Aufgaben sowohl hinsichtlich der beteiligten Sinnessysteme voneinander unterscheiden (Ohren für Töne; augen für visuelle Reize) als auch in Bezug auf die beteiligten Reaktionen/Effektoren (Primäraufg.: Tastendruckantworten mit Händen; Sekundäraufg.: verbale Antworten mit Mund)
    → Leistungseinbuße geht NICHT auf eine höhere Beanspruchung der peripheren Sinnesorgane oder der beteiligten Effektorsysteme zurück
  • Art der wechselseitigen Störung (Interferenz) der Leistungen wurde daher auf einen zentral-nervösen ("zentralen") Verarbeitungsengpass zurückgeführt, der in der Verarbeitung beider Reize notwendig ist
    Vgl. Flaschenhals - Begrenzung in der psychischen Informationsverarbeitung, wie viel Information pro Zeiteinheit verarbeitet werden kann
 
Psychologische Refraktärzeit:
Ergebnisse Welford wurden als Ausdruck einer allgemeinen "psychologischen Refraktärzeit" (psychological refrectory period, PRP) aufgefasst.
PRP ist diejenige Zeitdauer, die vergehen muss, damit ein zuerst verwendeter Mechanismus neuerlich verwendet werden kann.
PRP-Effekt scheint zu belegen, dass Selektivität die Folge bergenzter zentraler Verarbeitungskapazität sein könnte.

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