Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 6

6.1 Der Aufbau der Retina
 
Purkinje-Effekt

Physiologie Jan Purkinje (1787-1869):
Beobachtung, dass ihm während der Dämmerung in seinem Garten zunächst die roten Blüten heller als die blauen erschienen.
Als es dunkler wurde, erschienen ihm die blauen Blüten heller als die roten → Umkehrung des Kontrasteindrucks
 
Grund für Purkinje-Effekt:
unterschiedliche spektrale Empfindlichkeit des photopischen und skotopischen Sehens.
 
Tagsüber: Dominanz des photopischen Sehens (Zapfen bestimmen Helligkeitseindruck).
Zapfen haben gemeinschaftliche maximale spektrale Empfindlichkeit im grünen bis gelb-grünen Spektralbereich des Lichts
→ gleiche objektive Leuchtdichte: rote Blüte (Farbspektrum liegt näher an Gelb-Grün) erscheint heller als blaue Blüte
 
Abends & Nachts: Dominanz des skotopischen Sehens (Stäbchen)
Stäbchen haben maximale spektrale Empfindlichkeit im blauen Bereich.
Farbspektrum blauer Blüten ist näher an diesem Bereich → Blaue Blüten erscheinen mit zunehmender Dunkelheit heller
 
⇒ Physiologische Prinzipien (hier Merkmale der retinalen Architektur) können qualitative Aspekte der Wahrnehmungsempfindung (hier Helligkeitskontrastwahrnehmung) gut erklären!

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