Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 6

6.2 Retinale Farbverarbeitung: Zapfentypen und retinale Gegenfarbzellen
 
Allgemein
 

Farb- und Helligkeitsempfindungen liefern Paradebeispiele für die Plausibilität physiologischer Erklärungen der bewussten Empfindung.
 
Thomas Young (1773-1829) und Hermann von Helmholtz:
Beobachtung, dass sich die Farbempfindung von Weiß aus der Mischung des Lichts der drei "Primärfarben" (Rot,Blau,Grün) ergibt
→ Schluss auf entsprechendes Dreifarbensehsystem (od. trichromatisches Sehen) des Menschen
→ Vorhersagen durch physiologische Untersuchungen bestätigt
 
3 Typen von Zapfen:
  • S-Zapfen (short-wavelenght): für blaues Licht maximal empfindlich
  • M-Zapfen (medium-wavelenght): für grünes Licht maximal empfindlich
  • L-Zapfen (long-wavelenght): für oranges Licht maximal empfindlich
⇒ Damit sind NUR die maximalen Empfindlichkeiten bezeichnet.
Jeder dieser Zelltypen ist für einen ganzen Bereich des sichtbaren Farbspektrums empfindlich!
Schmalstes Spektrum: S-Zapfen
Breitestes Spektrum: L-Zapfen (für langwelliges, rotes Licht empfindlich)
 
Schon auf der Ebene der retinalen Verarbeitung werden die Aktivitäten der einzelnen Zapfentypen "verrechnet":
Es gibt Ganglienzellen mit relativ breitem Spektrum, die additiv durch L-Zapfen und M-Zapfen (L+M-Zellen) aktiviert und als "Luminanzkanal" im Derrington-Krauskopf-Lennie (DKL) Farbraum bezeichnet werden und mindestens drei Arten von Gegenfarbzellen.
 
Drei Arten von Gegenfarbzellen:
  • Grün-Rot
  • Blau-Gelb
  • Blau-Aus-Gelb-An Zellen mit sehr großem RF (sog. Riesenzellen)

Die Aktivität der Gegenfarbzellen beruht auf der Erregbarkeit und Hemmbarkeit durch unterschiedliche Zapfentypen:
Jede Gegenfarbzelle reagiert so auf eine Farbdifferenz und wird durch Anwesenheit bestimmter Farben aktiviert und durch die Anwesenheit anderer Farben gehemmt.
M-Rezeptoren und L-Rezeptoren schalten zB gemeinschaftlich auf dieselben Grün-Rot-Gegenfarbzellen. Die Grün-Rot-Gegenfarbzellen können zB durch die Aktivität der M-Zapfen angeregt und durch die Aktivität der L-Zapfen gehemmt werden (L-M-Zellen).
Blau-Gelb-Gegenfarbzellen können zB durch S-Zapfen aktiviert und durch den summierten Input aus L- und M-Zapfen gehemmt werden (S-[L+M]-Zellen).
 
Riesenzellen: es gilt immer die dazu umgekehrte Verschaltung: Sie werden durch L- und M-Zellen angeregt und durch S-Zellaktivität gehemmt.
 
 

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