Kognitions- und Emotionspsychologie II

6.2 Retinale Farbverarbeitung: Zapfentypen und retinale Gegenfarbzellen
Herings Gegenfarbtheorie und der DKL-Farbraum

Edwald K. Hering (1834-1918): Gegenfarbtheorie
retinale Verschaltung der Gegenfarbneurone wurde auf Basis seiner Theorie vorhergesagt
 
Überzeugung Hering:
Es ist unmöglich sich ein grünes Rot oder ein blaues Gelb vorzustellen
→ Annahme, dass Rot & Grün sowie Blau & Gelb Gegenfarbpaare bilden
 
Beobachtung Hering:
Nach der Betrachtung einer gelben, blauen, roten, grünen oder weißen Fläche wird ein komplementär gefärbtes Nachbild wahrgenommen.
(bei Gelb: Nachbild Blau; bei Rot: Nachbild Grün;...)
 
Vermutung Hering:
diese Sukzessivkontraste kommen durch die aktive Hemmung jeder Farbwahrnehmung durch ihre Gegenfarbe zustande
Für die Dauer einer Farbstimulation wird die Farbempfindung durch die Farbe und ihre aktive Hemmung gemeinschaftlich bestimmt.
Nach Wegfall der Farbstimulation bestimmt nur noch die zuvor hemmende Aktivität der Gegenfarbe die Farbwahrnehmung (Farbton im Nachbild gibt Auskunft über die Identität der Gegenfarbe).
Vermutung wurde teilweise durch beobachtete Simultankontraste gestützt.
Simultankontrast: Vpn sieht gleichzeitig zwei unterschiedliche Farben an benachbarten Orten im visuellen Feld. Wenn Vermutung stimmt, dass bei der Betrachtung einer isolierten Farbe eine Hemmung durch den Komplementätfarbkanal hervorgerufen wird, die den Farbeindruck der isolierten Farbe mindert, dann sollten sich bei der simultanen Betrachtung zweier angrenzender Gegenfarben die gegenseitigen Hemmprozesse aufgeben und zu Verstärkung der Farbempfindung jeder einzelnen Farbe führen.
Simultankontrast: Blau in der Umgebung von Gelb erschein tatsächlicht blauer als ohne benachbartes Gelb
 
Allerdings: physiologische Untersuchungen haben ergeben, dass der Farbeindruck der durch die Verschaltung der Zapfen zu Gegenfarbganglienzellen entsteht, nicht mit dem Farbeindruck übereinstimmt, den Hering berichtete!!!
Drei Farbkanäle:
  • Luminanz (L+M)
  • Grün-Rot (L-M)
  • Blau-Gelb (S-[L+M])
durch die drei Farbkanäle ergeben sich drei orthogonale Achsen, welche eher Farbempfindungen zwischen folgenden Polen entspricht:
  • Schwarz und Weiß (L+M)
  • Rot und Cyan (L-M)
  • Bläulich-Violett und Gelblich-Grün (S-[L+M])
 
Hering betrachtet seine Theorie als Alternative zur Dreifarbentheorie
 
→ Johannes von Kries: integrierte die gegensätzlichen Positionen
Zonen-Theorie:
- Verarbeitung in der peripheren Zone (in der Retina) entspricht der Dreifarbentheorie
- Verarbeitung in der zentralen Zone (im ZNS) entspricht der Gegenfarbtheorie
⇒ lag sehr nahe an der Wahrheit

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