Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 7

7.4 Modelle unbewussten Sehens
 
V1: Bewusstes oder unbewusstes Sehen? KLÄRENDE MÖGLICHKEITEN (1)

Eine Möglichkeit: Auffassung Milner & Goodale:
 
Auffassung der V1 Läsionen als Unterbrechung (Diskonnektion) der Verbindung der Retina zu "höher" gelegenen visuellen Bewusstseinzentren in den ventralen Projektionen.
 
Eine Schädigung des V1 wirkt nicht anders als eine Schädigung der Augen: Sie verhindert, dass in der ventralen Projektion gelegene bewusstseinkritische Areale den notwendigen visuellen Input erhalten.
 
Manko der Erklärung:
WENIG PLAUSIBEL, denn sie steht im Widerspruch zu den neurophysiologischen Symptomen, die nach Läsionen jenseits von V1 beobachtet werden. Läsionen des visuellen Cortex jenseits von V1  (in höher gelegenen visuell-kortikalen Arealen) führen nur zu partiellen Ausfällen des bewussten Seheindrucks.
Die visuellen Agnosien sin zB nach Läsionen des Übergangs zwischen inferiorem Okzipital- und Temporallappen auf Farben beschränkt (erworbene zerebrale Achromatopsie); nach Läsionen des Gyrus fusiformis im Temporallappen auf Gesichter (Prosopagnosie); nach Läsionen am Übergang von Okzipital- zu Parietallappen auf die simultane Objekterkennung (dorsale Simultanagnosie)
 
Fazit: unter den visuell-kortikalen Läsionen ziehen offensichtlich nur V1 - Schädigungen einen vollständigen Ausfall des bewussten Sehempfindens nach sich.
 
 

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