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Bindung
Bindungstyp: die unsicher-desorganisierte Bindung
Das unsicher desorganisiert gebundene Kind zeigt im Vergleich zu den anderen Bindungsmuster eine wenig durchgängige Verhaltensstrategie, sondern zeichnet sich durch emotional widersprüchliches und inkonsistentes Bindungsverhalten aus. Diese Verhaltensweisen sind insbesondere motorische Sequenzen von stereotypen Verhaltensweisen, oder die Kinder halten im Ablauf ihrer Bewegungen inne und erstarren ("freezing") für die Dauer von einigen Sekunden. Es lässt sich generell kein bestimmtes Verhalten bei Trennung und Rückkehr der Bindungsperson festmachen. Gleichzeitig kommt es zu genauso erhöhten Stresswerten wie beim unsicher gebundenen Kind (Brisch 1999). Dieses Bindungsmuster wird als ein "Steckenbleiben zwischen zwei Verhaltenstendenzen", der Nähe zur Bindungsperson und der Abwendung von ihr, gesehen. Die emotionale Kommunikation ist gestört, weil die Bezugsperson gleichzeitig Quelle und Auflösung der Angst ist. Das desorganisierte Bindungsmuster kann als Zusammenbrechen von organisierten Strategien in bindungsrelevanten Situationen bezeichnet werden.
Es wird von einem unverarbeiteten Traumata der Bindungsperson ausgegangen. "In der täglichen Pflege- und Spielerfahrung der Bezugsperson mit ihrem Säugling und Kleinkind werden (...) eigene Erinnerungen und Gefühle aus der eigenen Kindheit und der Bindungserfahrung mit den eigenen Eltern wachgerufen. Die damit verbundenen angenehmen sowie emotional belastenden Gefühle und Bilder können durch Projektionen die Beziehung zum eigenen Kind bereichern, oder auch schwerwiegend behindern, verzerren oder sogar dazu führen, dass im schlimmsten Fall wiederbelebte Erinnerungen - etwa einer Missbrauchsituation oder einer Verlassenheitserfahrung - mit dem eigenen Kind wiederholt werden müssen" (Brisch 2001). Diese "frightening-frightended"-Kollusion entsteht somit, wenn bei der Bindungsperson durch die Interaktion mit dem Kind traumatische Erfahrungen reaktiviert werden, die bedrohlich und ängstigend sind und die unbewusst bleiben.
Das Kind erlebt eine Unterbrechung seiner Bindungsstrategie; trotz realer Anwesenheit ist die Bindungsperson emotional unerreichbar. Kinder, die misshandelt wurden oder deren Bezugspersonen unter eigenen unverarbeiteten Traumatisierungen leiden, zeigen häufig dieses Bindungsmuster (Main/ Solomon 1990). Es besteht ein enger Zusammenhang mit familiären Risikofaktoren wie Misshandlung, psychischen Störungen und Suchtverhalten (Main 1995).
Beim Erwachsenen zeigt sich eine gedankliche Inkohärenz und Irrationalität bei bestimmten Themen wie Tod oder Trennung, während bei anderen Themen Elemente anderer Arbeitsmodelle gezeigt werden.
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