VU Gesundheitspsychologie

5. Soziale Unterstützung und Gesundheit

Neuroendokrine Informationsübermittler & die Stationen ihrer Freisetzung -  Oxytozin

experimentelle Tierstudien & Untersuchungen am Menschen:
Hinweise darauf, dass Oxytozin in der Assoziation zwischen sozialer Unterstützung und Gesundheit eine wichtige Vermittlerrolle einnehmen könnte.
→ Oxytozin wird in Verbindung gebracht mit:
  • der Entwicklung von Bindungen zwischen Kindern und Bezugpersonen,
  • der Auslösung prosozialer Kontakte und
  • der Regulation zentralnervöser Aktivität auf aversive Stimuli, die eine Reduktion von Angstzuständen bewirken.
 
Taylor et al: 
  • berichten, dass die Oxytozinausschüttung infolge einer Stressepisode mit einer niedrigeren Kortisolfreisetzung und einer schnelleren Rückkehr zur Baseline der physiologischen Erregung verbunden war.

Weiters: niedrigeres Niveau sympathischer Erregung bei stillenden vs. nicht stillenden Müttern gesichert

⇒ Oxytozin scheint mit einer erfolgreichen Stressregulation in Verbindung zu stehen


Tierstudien: 
Soziale Begleiterscheinungen der Oxytozingabe oder -ausschüttung werden in Tierstudien berichtet:

  • Experiment mit Mutterschafen: Gabe von Oxytozin direkt in das ZNS der Tiere bewirkte die Erhöhung mütterlichen Verhaltens in Form von verstärktem fürsorglichen Lecken und mehr Körperkontakt in der Mutterschaf-Lamm- Dyade
  • Darüber hinaus wirkte der erhöhte Körperkontakt positiv auf die Oxytozinausschüttung der Lämmer zurück.

Keverne et al.:  nehmen an, dass sich generelle affiliative Verhaltensweisen und die Bindung an andere Sozialpartner im Verlauf der phylogenetischen Entwicklung an das adaptive Bindungsverhalten zwischen Mutter und Kind gekoppelt haben oder aus ihm hervorgegangen sind.
→ Befunde, dass bestimmte Spezies die Nähe anderer Tiere suchen, in deren Gegenwart sie zuvor ein hohes Niveau an Oxytozin aufwiesen. 

⇒⇒ Freundschaft könnte zumindest teilweise über hormonelle Veränderungen vermittelt werden 

Reiz der gefundenen Verbindung zwischen Oxytozin und affiliativen Verhaltensweisen liegt darin, dass dieser Mechanismus die schon vorher erwähnten hochstabilen Geschlechterunterschiede  der sozialen Unterstützung mitaufklären könnte.
Die Tatsache, dass Frauen sowohl mehr Unterstützung anbieten als auch erhalten und in manchen Fällen sogar mehr davon profitieren, könnte zumindest teilweise mit ihrer erhöhten Verfügbarkeit von Oxytozin zusammenhängen.
Zwar produzieren auch Männer Oxytozin, jedoch in wesentlich geringeren Mengen als Frauen

Taylor und Kollegen (2002) räumen ein, dass der Unterstützungsakt bei Spezies mit großer assoziativer Hirnrinde, wie z. B. Menschen, wahrscheinlich eher kognitiv als hormonell geregelt wird. Dennoch könnte zumindest ein Initialimpuls zu affiliativem Verhalten unter Stress immer noch auf basale Körperfunktionen zurückgehen.

 

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