M5-E1

E1, TL Studienbrief

Was ist das „Kultivationsprinzip“?

Georg Simmel hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Individuelles Kulturelles und Kulturelles wiederum Individuelles hervorbringen kann. Er unterscheidet zwischen objektiver und subjektiver Kultur (1908). Die objektive Kultur ist für den sich entwickelnden Menschen nur insofern förderlich, als er sie in subjektive Kultur umsetzen kann. Nur dann trägt Kultur zur Vervollständigung der Entwicklung des Menschen bei, wird zu subjektiver Kultur. Der Mensch wählt aus den vorhandenen kulturellen Angeboten aus. Und dadurch nimmt er auch Einfluss darauf wie sich das kulturelle Angebot entwickelt.

Kultivation ist ein wechselseitiger Prozess: Über die Kultivation der Welt, der Dinge, kultivieren wir uns selbst. In dem Maße beispielsweise, in dem wir unsere Umgebung, unsere Wohnung, unser Äußeres gestalten, gestalten – kultivieren – wir uns selbst.

Die heutige Erforschung der Rolle der materiellen Welt – beispielsweise in Form „persönlicher Objekte“– hat von Simmels Kultivationsansatz in profitiert (z. B. Fuhrer & Josephs, 1999). So können bestimmte geliebte Objekte „Teil unseres Selbst“ werden und als solches vielerlei Funktionen übernehmen (Erinnerung, Schutz).

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