Prüfungsfragen_FaSi_Gefahrstoffe

Was fällt Ihnen zum Gefahrstoff Hydrazin ein?

Hydrazin wird als Raketentreibstoff verwendet und ist hochreaktiv. Daneben dient Hydrazin der elektrochemischen Stromerzeugung in Brennstoffzellen (z. B. U-Boote) und verdünnte Hydrazin-Lösungen als Reagenzien zur Deoxigenierung (Befreiung von Sauerstoff) von Kesselspeisewasser in Dampfkraftwerken.

Eine innerer Hydrazinbelastungen orientierte sich ausschließlich an der aktuellen Plasmakonzentration aufgrund kurzer biologischer Hydrazin-Halbwertszeit. Mit der Erfassung der korrespondierenden Hydrazin-Hamausscheidung lassen sich auch Umfang und mögliche Effekte zurückliegender Hydrazinbelastungen sowie individuelle Stoffwechselkinetiken beurteilen.

Hydrazin ist giftig beim Verschlucken, Einatmen und bei Berührung mit der Haut. Beim Menschen können nach oraler Aufnahme von Hydrazin in Abhängigkeit von der aufgenommenen Dosis Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit mit Erbrechen, Störungen der Bewegungskoordination, Schläfrigkeit, Empfindungsstörungen, Störungen des Atem- und Herzrhythmus und Bewusstlosigkeit auftreten.

Nach Einwirkung von Hydrazindämpfen wurden mit einer Verzögerung von mehreren Stunden Übelkeit und Erbrechen sowie lokale Reizungen der Augen (insbesondere der Augenbindehäute) und der Schleimhäute des oberen Atemtraktes mit Atemnot beobachtet.

Bei Kontakt von Hydrazin mit Haut und Schleimhäuten ist mit Reizeffekten bis hin zu Verätzungen zu rechnen. Der Stoff kann über die Haut aufgenommen werden. Flüssiges Hydrazin kann zu entzündlichen Hautreaktionen (Dermatitis) führen. Hingegen wirkt Dihydrazinsulfat nicht reizend an Haut und Augen. Beide Substanzen wirken hautsensibilisierend. Beim Menschen wurden nach Kontakt mit flüssigem Hydrazin allergische Kontaktekzeme beschrieben.

In Untersuchungen an Personen, die über einen längeren Zeitraum gegenüber Hydrazin exponiert waren, ließen sich keine hydrazinbedingten erhöhten Tumorraten nachweisen.

Hydrazin wurde von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft in die Gruppe 2 der kanzerogenen Arbeitsstoffe eingruppiert. Das bedeutet, dass es sich bei Hydrazin um einen Stoff handelt, der als krebserzeugend für den Menschen anzusehen ist.

Desweiteren ist Hydrazin in der Liste der MAK- und BAT-Werte wegen der Gefahr der Hautresorption mit einem „H” gekennzeichnet.

Von der IARC wurde Hydrazin in die Gruppe 2B (möglicherweise krebserzeugend beim Menschen) eingeordnet. Von der EU wurden Hydrazin und seine Salze in die Kategorie 2 (Stoffe, die als möglicherweise für den Menschen krebserzeugend angesehen werden sollten) eingestuft.

Diskussion