Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 2

2.4 Kognitionspsychologie
 
Psychische Informationsverarbeitung HEUTE

Heutzutage: geistige Vorgänge als Informationsverarbeitung → metaphorisch!!
 
Allgemein:
Vorgang der Wahrnehmung wird als Übertragung von Information aus der Umwelt durch Sinnesorgane konzipiert
→ genaue Bedeutung unklar! Metapher der Informationsverarbeitung in mehreren Beziehungen ungenau und daher problematisch
 
Problem:
Ungenaue Definition des Empfängers.
Bei der Wahrnehmung entsteht das Phänomen im Bewusstsein des Wahrnehmenden. Bei der Metapher von der Übertragung von Information geht es hingegen nicht primär um Phänomene (also subjektive Empfindungen) sondern um Repräsentationen (d.h. den obektivierbaren Gehalt der Wahrnehmungsgegenstände).
Repräsentationen können auch unabhängig vom Bewusstsein bestehen → Bewusstsein scheint daher nicht der Empfänger der Nachricht zu sein.
Welcher Teil der Psyche stattdessen als Empfänger fungiert, wird in der Informationsverarbeitungsmetapher meist offen gelassen.
Als Empfänger kommt eine Vielzahl uneinheitlich abgegrenzter psychoscher Teilsysteme in Frage.
Die psychischen Teilsysteme werden außerdem (je nach verwendeter Methode) unterschiedlich, teils physiologisch-anatomisch, teils theoretisch-konzeptionell definiert.
 
Bsp. Sehen: unterschiedliche Begriffe zur Bezeichnung des Empfängers:
- Kurzzeitspeicher
- ikonischer Gedächtnis
- visuelles System
- visuelle Hirnrinde
- visuelles Kurzzeitgedächtnis
 
Konzept des Senders ist ebenso ungenau!
Theoretisches Problem hierbei:
nur in wenigen untypischen Fällen der Wahrnehmung (etwa bei der zwischenmenschlichen Kommunikation) wählt ein Sender die Nachricht unabhängig vom Empfänger aus
In vielen anderen Fällen (z.B. bei der Wahrnehmung der Farbe einer Blume) kann der Umweltgegenstand selbst nicht als sicherer sender bezeichnet werden! Welche Mechanismen die Nachricht (z.B. Farbe Blume) selegieren und daher als Sender bezeichnet werden können ist unklar!
In Frage kommen langfristig wirksame Mechanismen der Artanpassung, die die Wahrnehmung überlebenswichtiger Merkmale sicherstellen, und kurzfristig wirksame Mechanismen der Verhaltenssteuerung, die einer problemspezifischen Auswahl von Nachrichten durch den Wahrnehmenden selbst entsprechen.
 

Diskussion