Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 4

4.5 Verhalten und Verhaltensbeobachtung
 
Treisman & Gelade (1980): Merkmalsintegrationstheorie

Die gesehene Ähnlichkeit zwischen den gesehenen Reizen ist entscheidender als die Ähnlichkeit zwischen gesehenen Reizen einerseits und Suchschablonen andererseits.
 
  • parallele Suche: Einzelen Merkmale können an allen Orten gleichzeitig entdeckt werden.
    Die Suche ist unabhängig von der Zahl der Distraktoren, wenn ein gesehener Zielreiz durch ein Alleinstellungsmerkmal von den gesehenen Distraktoren zu unterscheiden ist.
  • sequentielle Suche: Zielreize unterscheiden sich nur in einer Kombination von Merkmalen von allen Distraktoren.
    Grund: räumliche Aufmerksamkeit → muss sukzessive auf einzelne Reize gerichtet werden. Nur so ann die in jedem Reiz realisierte Kombination von Merkmalen erkannt werden.
 
Merkmalsintegrationstheorie ("feature integration theory"):
Annahmen wurden z.T. durch die Architektur des visuellen Systems inspiriert: Die frühe kortikale Verarbeitung visueller Reize erfolgt getrennt nach Merkmalen (Farbe,Orientierung).
Daher könnte die Reizerkennung auf Basis einer Kombination von Merkmalen tatsächlich Verarbeitung auf einer späteren Stufe des visuellen Systems erfordern.
 
Nach der Theorie ist die Verbindung einzelner Merkmale anhand ihrer Positions-Übereinstimmung bzw. Positions-Nicht-Übereinstimmung geeignet, Objekte als Kombinationen von Merkmalen zu erkennen.
Treisman & Gelade: räumliche Aufmerksamkeit als "Vehikel" diese rVerbindung von visuellen Merkmalen durch örtliche Übereinstimmung: Aufmerksamkeit als "Kleber"
 
Visuelle Suche: kurze Verarbeitungsdauer pro Reiz spricht dafür, dass pro Fixation mehrere Reize verarbeitet werden.
→ Beobachtung deckt sich mit der Annahme, dass die verdeckte (Verlagerung der) Aufmerksamkeit zur visuellen Suche beiträgt.
→ Daraus darf aber nicht geschlossen werden, dass offene Verlagerungen des Blickes irrelevant wären. Betrachtet man nämlich die Wahrscheinlichkeit für das Finden der Zielreize in Abhängigkeit  von der aktuellen Blickposition, ergibt sich ein pos. Zusammenhang : Zielreize, die 2-3° vom aktuellen Fixationsort entfernt liegen, werden mit einer Wahrscheinlichkeit von mind. P=.7 gefunden.
Mit einer zunehmenden Distanz zwischen Fixationsort und Ziel bis zu ca 10° nimmt diese Wahrscheinlichkeit fast linear ab und liegt bei 10° Distanz je nach Menge der Distraktoren nur noch bei ca P=.1 bis P=.4
 
 

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