Kognitions- und Emotionspsychologie II

Kapitel 5

5.3 Automatische und kontrollierte Verabeitung
 
Automatische Verarbeitung als Konsequenz von Übung

Automatische Verarbeitung bringt nicht nur Vorteile mit sich:
rein visuelles Lesen erfolgt schneller als subvokal lautsprachliches Lesen und es wäre somit eigentlich ein Vorteil rein visuell zu lesen.
ABER: der hohe Grad der Automatisiertheit des lautsprachlichen Lesens immunisiert es gegen die willentliche Umstellung auf visuelles Lesen.
 
⇒ Tendenz der automatischen Verarbeitung, unwillkürlich und allein durch das Vorliegen der zur Routine passenden Reize ausgelöst zu werden, kann also ein Nachteil sein, wenn willentlich gut geübte und gewohnheitsmäßige Formen der Verarbeitung vorübergehend geändert werden sollen
⇒ Automatisierung erzeugt als Konsequenz von Übung Fehler! Die Automatisierung führt zur gewohnheitsmäßigen Verarbeitung, obwohl die Absicht auch eine Variation der gewohnten Verarbeitung abzielt
 
Shiffrin & Schneider (1977): Untersuchung (bildet Kern von Reasons Fehlertheorie)
Vpn müssen in vielen Durchgängen Zielbuchstaben oder Ziffern suchen.
→ Zielbuchstaben oder Ziffern verlangen immer eine bestimmte Reaktion (in der Bedingung mit fester Reiz-Reaktions-Regel) oder sie verlangen wechselnde Reaktionen (Bedingung mit wechselnder Reiz-Reaktions-Regel)
Ergebnisse: stimmen mit den Annahmen der Theorie automatischer und kontrollierter Verarbeitung von Posner & Synder überein
→ Zunächst: Bestätigung des positiven Einflusses von Übung
→ Leistungsanstieg war an das Ausmaß geistiger Beteiligung gebunden: Leistungsanstieg durch Übung erfolgte bei geringer geistiger Beanspruchung (feste Reiz-Reaktions-Regel) schneller als bei höherer Beanspruchung (variable Reiz-Reaktions-Regel)
→ Variable Reiz-Reaktions-Regel: Vpn benötigten in jedem Durchgang länger, um zwischen relevanten Zielreizen (Buchstaben) und irrelevanen Reizen (Distraktoren; zB Ziffern) zu unterscheiden
→ zunehmend größere Distraktormenge (1 vs 3) wirkte sich vor allem in variabler Bedingung negativ aus; Vpn benötigten länger um ein Ziel unter 3 Distraktoren zu finden, als es bei nur einem Distraktor zu finden (feste Reiz-Reaktions-Bedinung: kaum Unterschied)
→ Suchzeit bis zur Antwort auf den Zielreiz war unter beiden Distraktorbedingung bei fixer Reiz-Reaktions-Regel zumind. nach ausreichender Übung annähernd gleich & war immer kürzer als bei variabler Bedingung
 
→ negative folgen von automatischer Verarbeitung: Vpn hatten größere Schwierigkeiten, nach der ersten Hälfte des Experiments die Reiz-Reaktions-Regel umzulernen (zB Ziffern: Zielreiz; Buchstaben: Distraktor)
→ reagierten häufig noch auf die ehemals relevanten Reize, die sie jetzt ignorieren sollten

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