Kirchler: Arbeits- & Organisationspsychologie

3/3 Prozesstheorien

Postaktionale Phase: Bewertung - Praktische Anwendung der Gerechtigkeitsforschung - Motivation & Leistungsvergütungssystem 

Die Höhe der Motivation ist abhängig von der persönlichen Wahrnehmung des Leistungsvergütungssystems.

Insgesamt lassen sich 9 Sachverhalte unterscheiden, wobei

unterschiedliche Sachverhalte simultan wahrgenommen werden:

  • Positives Leistungs-Beitrags-Denken: Eine Person geht davon aus, dass es prinzipiell richtig ist, mehr zu verdienen, wenn entsprechend mehr geleistet wird. Je mehr jemand von dieser Auffassung überzeugt ist, desto stärker wirkt das Leistungsvergütungssystem.

  • Negatives Leistungs-Beitrags-Denken: Einkommensunterschiede in einem Land sollen möglichst gering gehalten werden. Je mehr jemand diese Einstellung vertritt, desto geringer wirkt ein Leistungsvergütungssystem.

  • Kollegenvergleich: Input und Output von Kollegen werden miteinander verglichen.

  • Externvergleich: Kollegen aus Konkurrenzunternehmen werden zum Vergleich herangezogen.

  • Systemakzeptanz: Ein Leistungsvergütungssystem, das von den Betroffenen nicht akzeptiert wird, motiviert nicht.

  • Einflussnahme: Je mehr die Betroffenen auf die Entwicklung bzw. Pflege ihres variablen Vergütungssystems Einfluss nehmen können, desto mehr motiviert das Leistungsvergütungssystem.

  • Indirekte Erwartung: Je enger Zusammenhang zw. Arbeitseinsatz und nachweisbarem Arbeitsergebnis, desto stärker motiviert das Leistungsvergütungssystem.

  • Direkte Erwartung: Je enger der Zusammenhang zwischen nachweisbarem Arbeitsergebnis und erhaltenen Leistungsvergütung, desto stärker motiviert das Leistungsvergütungssystem.

  • Schließlich steigt die Bedeutung des Leistungsvergütungssystems mit wachsendem Bedürfnis nach höherem Einkommen.
 
Da der Vergleich mit externen und internen Kollegen einen nachweisbaren Effekt auf die Arbeitsmotivation hat, ist es lohnenswert, mögliche Ungleichgewichte über anonyme Mitarbeiterbefragungen aufzudecken.
Die Reduktion der wahrgenommenen Ungleichgewichte kann durch erhöhte Transparenz zwischen objektiven Input-Output- Verhältnissen erfolgen, durch aktive Darstellung von offiziellen, nachvollziehbaren Begründungen und durch die Reduktion tatsächlicher Ungleichgewichte.

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