Gutachten

Ein Gutachter begründet die Durchführung eines Scenotest damit, dass dieser genau so durchgeführt wurde, wie es die Testautorin vorgibt, damit wissenschaftliche Standards erfüllt sind und dass der Einfluss sozialer Erwünschtheit im Vergleich zu nicht-projektiven Alternativen verringert wird. Diskutieren Sie die Argumente des Gutachters.

  • Allein die handbuchgetreue Durchführung des Scenotests reicht nicht aus, um wissenschaftliche Standards zu erfüllen. Damit ist maximal Durchführungsobjektivität gegeben.
  • Auch gibt es für die Auswertung und Interpretation nur uneindeutige Richtlinien. Sie lassen damit einen Interpretationsspielraum und sind von der subjektiven Einschätzung des Untersuchers abhängig. Damit sind die Auswertungsobjektivität, die Reliabilität und die Validität, die zur Erfüllung der wissenschaftlichen Standards notwendig sind, unzureichend. D.h. das Durchführen und Auswerten nach Anleitung sichert keine Wissenschaftlichkeit.
  • Weiterhin kritisch zu sehen ist, dass Normierungsproblematiken vorliegen, z.B. werden veraltete Spielmaterialien wie der Teppichklopfer genutzt, den viele Kinder nicht mehr kennen. Dementsprechend ist die Bedeutung des Szenenaufbaus mit solchen Spielmaterialien unklar.
  • Es besteht die Gefahr der Über- oder Fehlinterpretation.
  • Dadurch, dass das Spielmaterial mehrdeutig und die Interpretation für den Probanden undurchschaubar ist, ist es möglich, dass er tatsächlich weniger beeinflusst durch „soziale Erwünschtheit“ ist. Allerdings verliert dieser Aspekt in Anbetracht der oben beschriebenen Tatsache, dass projektive Testverfahren die relevanten Gütekriterien (Auswertungsobjektivität, Reliabilität, Validität) nicht erfüllen, seinen Wert.
 

Diskussion