Asendorf & Neyer - Sechs Paradigmen der Persönlichkeitspsychologie

1. Eigenschaftsparadigma

Transsituative Konsistenz - die klassische Studie 

Hartshorne & May (1928): 
prüften die Ehrlichkeit von 850 Schülern in 8 verschiedenen Situationen im Klassenzimmer, beim Sport oder bei den Hausaufgaben
→ beobachteten Mogeln, Lügen & Stehelen, das sie gezielt provoziert hatten (zB indem sie ein Geldstück in einem Heft verstecken, Gelegenheit zur Verbesserung der Note gaben) 
→ Autoren ließen die Kinder zudem eine "Lügenskala" ausfüllen, in der die Tendenz zu lügen dadurch gemessen wurde, dass erwünschtes, aber unwahrscheinliches Verhalten abgefragt wurde (zB "ich lüge nie)

Ergebnis: aus Ehrlichkeit in einer Situation ließ sich die Ehrlichkeit in einer anderen Situation oder der Gesamtwert kaum besser als der Zufall vorhersagen!!
 
Gordon W. Allport 
versuchte 1937 die niedrige Konsistenz von Ehrlichkeit in der Studie von Hartshorne und May (1928) dadurch zu erklären, dass dieselbe Verhaltensregelmäßigkeit in verschiedenen Situationen durch jeweils mehrere Eigenschaften bedingt sei, die jeweils eine unterschiedliche individuelle Relevanz für unterschiedliche Kinder besitze!

→ Unehrlichkeit beim Stehlen kann durch knappes Taschengeld oder auch durch den Nervenkitzel, nicht erwischt zu werden, motiviert sein,
während Unehrlichkeit beim Schönen von Noten durch 
Leistungsmotivation, Bedürfnis nach Lob durch Lehrer

bei guten Noten oder auch Angst vor Bestrafung durch die Eltern bei schlechten Noten bedingt sein kann.

⇒ diese Eigenschaften sind bei unterschiedlichen Schülern unterschiedlich stark ausgeprägt & unterschiedlich relevant für unterschiedliche Ehrlichkeitssituationen;
⇒⇒ daraus ergibt sich eine niedrige transsituative Konsistenz von Ehrlichkeit.

⇒⇒ Allports Erklärung war allerdings unpraktikabel, weil sie offen ließ, wie die individuell relevanten Eigenschaften jeweils bestimmt werden sollten. Deshalb geriet das Problem der mangelnden transsituativen Konsistenz lange Zeit in Vergessenheit.

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