Klausurfragen VEÖK

3 entscheidende Heuristiken bei der Investition erklären & auf die Immobilienkrise in USA übertragen.

Verlustaversion
Bestandteil der Prospect—Theory. Marktteilnehmer haben das Bestreben Verluste zu meiden und Gewinne dafür zügig zu erwirtschaften. Es wird versucht Veräußerungsverluste und das damit verbundene Bedauern zu meiden und mittel Veräußerungsgewinnen nach „Ruhm“ zu streben. Dieser Sachverhalt ist Grundlage des Dispositionseffektes und dieser zeigt sich in der Praxis durch die Verlustaversion.Die Verlustaversion einer der schändlichsten Effekte begrenzt rationalen Verhaltens.
Ursprung liegt in der Struktur der Wertefunktion. Die Rechtskrümmung in Gewinnbereich führt dazu, dass der erste Gewinn wesentlich stärker wahrgenommen wird als die darauffolgenden Gewinne. Deshalb wird oft nach dem ersten bedeutenden Gewinn verkauft.Im Verlustbereich sieht sich der Marktteilnehmer mit einem bisher nicht realisierten Buchverlust konfrontiert. Zusätzliche Verluste werden weniger stark wahrgenommen. Die Investition wird behalten, da die Reduktion der Verluste als starker Wertzuwachs interpretiert wird, sollte sich der Kurs erholen.
 
Konsequenzen für das Anlageverhalten
  • Gewinnerpositionen werden zu früh verkauft, Verliererpositionen dagegen zu lange gehalten.
  • Private Anleger können zudem die Neigung entwickeln, zu häufig die Wertentwicklung ihrer Wertpapiere zu überprüfen.
 
Selektive Entscheidung
Eine Folge aus dem Bedürfnis nach Dissonanzfreiheit. Selektive Entscheidung führt dazu, dass negative Information zu einer Entscheidung verdrängt, positive jedoch hervorgehoben werden (äußert sich durch den Dispositionseffekt).
Die selektive Entscheidung hat die Zielsetzung, eine frühere Entscheidung, welche unter hoher Selbstverpflichtung eingegangen wurde (z.B. intensive Recherche), auf jeden Fall zum gewünschten Erfolg zu führen (vergleichbar mit Sunk Cost Effekt).
 
Konsequenzen für das Anlageverhalten
  • Marktteilnehmer, besonders private Anleger, bedienen sich oft der selektiven Entscheidung, wenn eine zuvor getroffene Entscheidung sich als negativ erweist (Reflection effect, äußert sich im Sunk-cost effekt).
 
Reueaversion
Diese Anomalie steht fürs das Bestreben, möglichst keine Fehlentscheidung zu treffen, die man im Nachhinein bereuen könnte. Mit zunehmender Beobachtung durch dritte kann die Reueaversion an Stärke gewinnen. Um das Bedauern, steigende Kurse verpasst zu haben, zu vermeiden, werden Anlagen mit Dividendenzahlungen favorisiert, um mit den Ausschüttungen die Konsumwünschen zu finanzieren und die Anlage behalten zu können.
 
Konsequenzen für das Anlageverhalten
  • Die Marktteilnehmer, hier private und institutionelle Anleger, bewerten nicht nur, wie viel Gewinn ihnen aufgrund eines zu frühen Ausstieges entgeht, sondern auch wie viel Verlust sie womöglich ersparen, weil sie rechtzeitig aus der Aktie ausgestiegen sind. (nicht zahlungswirksames Konto der mentalen Buchführung)
  • Reueaversion kann die Marktteilnehmer in ihren Investmententscheidungen zu konservativ machen. Besonders als Folge von frühen Verlusten, die ihm die Risiken der Anlage verdeutlicht haben. Sicherheitsbedachte Investitionen führen langfristig zu einer begrenzten Portfolioperfomance.
  • Auf der anderen Seite kann die Reueaversion jedoch dazu führen, dass der Marktteilnehmer übermäßig lange an Gewinneraktien festhält und keine Gewinne „realisiert“. Gewinneraktien können langfristig ihre Gewinne abgeben und ihre Überbewertung abbauen.

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